Bremsweg Faustformel ist gefährlich!

Grade werde ich durch eine aktuellen ADAC-Test an ein interessantes Thema erinnert.
Der Bremsweg, die Faustformel aus der Fahrschule und der tägliche Umgang damit.
Der ADAC hat eine Reihe Winterreifen getestet und bei Bremstests festgestellt, das sich zwischen dem Besten und dem Schlechtesten Reifen die Anhaltewege um bis zu 22 Meter unterscheiden!
Die Bremstests erfolgen, wie allgemein üblich, aus voller Fahrt bei Tempo 100 km/h.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Während also das optimal bereifte Auto schon steht, quietscht das schlechtest bereifte Auto noch mit gut 50km/h vorbei – und ins Hindernis hinein.

Die erste wichtige Erkenntnis ist also, das es sich lohnt, in gute Reifen zu investieren.

Die zweite Erkenntnis wird noch wichtiger, wenn es schon zu spät ist. So wird z.b. wohl kaum jemand die Reifen seines Neuwagens sofort auswechseln, bloß weil diese schlecht getestet wurden. Ebenfalls wird sich jeder Gebrauchtwagenkäufer freuen, wenn er mit den montieren Reifen noch möglichst weit kommt!

Unfall-Kompetenz
Richtig traurig wird es aber erst, wenn es zu einem Unfall oder einer polizeilichen Interaktion kommt. Ich persönlich kann nämlich aus eigener Erfahrung berichten, das Polizisten leider schlichtweg zu dämlich sind, wenn es um die Beweisaufnahme und die Schlussfolgerungen geht.

Da wird dann zwar fleissig mit dem Maßband die Bremsspur gemessen, aber ab da verläßt dann der Intellekt den Verstand. Zügig wird, ohne weiteres Nachdenken oder Aufnahme weiterer relevanter Beweise, die Faustformel verwendet und dem beteiligten Fahrer überhöhte Geschwindigkeit attestiert.
Nasse Strasse?
Runderneuerte Reifen?
Abschüssige Strecke?
Windverhältnisse?
Reifendruck?
Strassendecke (Asphalt? Kiesweg? Kopfsteinpflaster?)?
Alles egal! Der deutsche Polizist hat seine Faustformel!
Wie schwer ein Bremsweg wirklich zu berechnen ist, bzw. wie schwer im Umkehrschluss die Geschwindigkeit zu ermitteln ist, darüber klärt ansatzweise die Wikipedia Bremsweg auf.

Trauriges Fazit ist deshalb leider: Für einen deutschen Polizisten ist deshalb fast immer der Fahrer der Depp.
Das dieses Urteil aus eigener Inkompetenz heraus gefällt wird, kommt den Herren nichteinmal in den Sinn, wenn die resultierend ermittelte Geschwindigkeit die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs überschreitet.
Im Gegenteil. Dann wird sofort unzulässiges Tuning vermutet und geschaut ob in einem 1.0l Corsa nicht doch der Motor des GSI-Modells transplantiert wurde.

Traurig – aber wahr.
Komischerweise weiß aber dann doch – auf Nachfrage – *fast* jeder deutsche Polizist, das ein Porsche 911 auf 100km/h nur knapp über 30m Bremsweg benötigt, viele SUVs dagegen über 40m. Bei den intelligenteren fällt dann so langsam der Groschen, daß die Faustformel wohl trügerische Ergebnisse liefert. Die nicht so cleveren übergehen jedoch gleich die Erkenntnis und erheben wortreich eine  Faustformel auf Quasi-DIN-Niveau..

Die Faustformel – Unsinnig?
Dabei ist die Faustformel aus der Fahrschule keineswegs so falsch oder unnütz! Sie wird einfach nur viel zu oft zweckentfremdent eingesetzt! Der Sinn und Zweck der Faustformel ist es, Fahrschülern den logarythmischen Zusammenhang nahe zu bringen, welcher verantwortlich dafür ist, das der Bremsweg mit zunehmender Geschwindigkeit im Quadrat wächst. Der tatsächliche Bremsweg ist jedoch von wesentlich mehr Faktoren abhängig!

Ich schliesse mich also Heinrich Heine an: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht..“oder: „Armes Deutschland, was hast du für kleine Füchse“

Fazit: Sichere in einem solchen Fall möglichst selbst alle relevanten Beweise und Fakten.
Uhrzeit, Wetterverhältnisse, Reifenmodell, Ort, Strassenzustand (nass, trocken, sandig, Ölspur?), Beladung (z.b. auch Tank voll oder leer!), Bergauf oder Bergab,  usw. Deutsche Richter und Anwälte sind glücklicherweise idR wesentlich intelligenter und können eventuelle juristische Folgen korrekter bewerten.
Denn es ist ja z.b. nicht verboten ein vollbeladenes und vollgetanktes Auto mit runderneuerten Reifen bei einsetzendem Regen mit 100km/h auf einer Landstrasse zu bewegen. Wenn dann jedoch der errechnete Bremsweg 220km/h ergibt, heißt das noch lange nicht, daß der Fahrer ein Raser ist.

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