Bild berichtet von einem jungen 22jährigen Familienvater der mit seinem Motorrad verünglückte und wegen einer gerissenen Halsschlagader verblutete.
Der junge Mann aus Olpe war ein Zeuge Jehovas und trug eine Patientenverfügung bei sich, die – wie bei Zeugen Jehovas üblich – Bluttransfusionen strikt ablehnt. Diese Patientenverfügung wurde von den Notärzten gefunden, als sie gerade die Transfusion vorbereiteten. Die Mediziner taten daraufhin das einzig Richtige und brachen die ungewollte Hilfe sofort ab.
Dies rief nun einen Staatsanwalt auf den Plan, der prüfen lassen will ob der Mann nicht doch mit der Transfusion überlebt hätte – um dann Anklage gegen die Mediziner einzuleiten.
Soweit also die bisher bekannten Fakten.
Ich persönlich finde, das die Mediziner absolut korrekt gehandelt haben. Und das meine ich nicht hämisch im Sinne von: “Haha, prima, selbst schuld” & “He, toll, einer weniger der an meiner Tür steht und mich vollquatschen will, während das Badewasser kalt wird“.
Nein-Nein. Ich möchte den jungen Mann nichtmal für einen Darwin-Award vorschlagen wie ich es gelegentlich gerne tue.
Das sich da jetzt ein Staatsanwalt dazwischenhampelt sehe ich mit gemischten Gefühlen. Eigentlich hat er da nix zu suchen, finde ich. Andererseits schon. Aber nur insofern, daß es natürlich eine tolle Idee für den perfekten Mord wäre. Mordopfer auswählen, Verblutung initieren, Patientenverfügung unterschieben. Fertig! Aber ich glaube ein solches Szenario kann hier ausgeschlossen werden..
Die Patientenverfügung jedenfalls hat der junge Mann schliesslich höchstwahrscheinlich im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte unterschrieben und auch nicht zum Spass dabei gehabt. Darüber hinaus wird er mit 22 Jahren wohl auch die nötige Reife gehabt haben, um diese Entscheidung sehr bewußt selbst gefällt zu haben. Grade als Motorradfahrer macht man sich schliesslich schon seine Gedanken..
Wieso wollen die Zeugen Jehovas kein Fremd-Blut?
Diese “Blutsache” ist etwas, mit dem Zeugen Jehovas ständig in Diskussionen verwickelt werden. Das ist oft die einzige Sache die sich so über sie herumgesprochen hat. Ich selbst habe mal eine Freundin gehabt die dieser Glaubensrichtung angehörte und natürlich hab ich mit ihr auch darüber gesprochen – und vieles erfahren! Vor allem, das diese “Blutsache” immer das Erste ist worüber gesprochen wird – ich kann verstehen, wenn es den ZJ aus dem Hals raushängt, da schonwieder drüber diskutieren zu müssen.
Deshalb hier von mir ein paar Worte:
Für ZJ ist Blut gleichbedeutend mit Leben und auch verbunden mit ihrer Seele. Wenn sie nun mit fremden Blut am Leben erhalten würden, wären sie unrein, verseucht und ihre Seele für immer und alle Zeit verdorben. Das ist also so ziemlich das Allerletzte was ein ZJ will. Denn damit wäre ihm die Chance auf das ewige Leben geraubt worden. Dann lieber “gesund” sterben. Und ganz ehrlich.. ICH KANN DAS VERSTEHEN..
Zwar bin ich selbst irgendwas zwischen Agnostiker und Atheist – habe also mit weltlichen Religionen absolut gar nix am Hut. Aber wenn ein Mensch nunmal einfach anderer Meinung ist.. Keine Ahnung.. vielleicht ist er ja sogar im Recht? (Was ich natürlich für sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich halte.. aber wenn doch.. würde ich dann Schuld sein wollen wenn ich sein Arzt gewesen wäre?)
Solange Religionen jedenfalls nicht zu Gewalttaten und heiligen Kriegen aufrufen, finde ich daß man da jedem seinen Glauben lassen sollte – auch wenn die Menschheit womöglich ohne Religionen besser&friedlicher sein könnte.
Und wenn man ihn trotzdem gerettet hätte?
Nun. Erinnern Sie sich noch an die Berichte, als erstmals ein Herz transplantiert wurde? Oder eine Niere? Eine Lunge? Vielen Empfänger dieser Organe ging es danach wesentlich besser. Aber es gab auch genug Menschen die plötzlich glaubten, nicht mehr sie selbst zu sein und plötzlich fremde Wesenszüge an sich entdeckten, die bei genauerer Recherche dem Spender des Organs zugeschrieben werden konnten. Davon mag man nun halten, was man will.. Aber es kam vor.
Übertragen auf unseren ZJ.. Was denken Sie wohl, wie der sich gefühlt hätte, wenn er per Bluttransfusion gerettet worden wäre??? Ganz im Ernst: Wenn ich ganz sachlich versuche, mich in eine solche Situation hinein zu versetzen, dann würde ich wohl folgendes durchmachen…
- Zuerst würde mir klar werden, das ich verloren bin.
- Dann würde ich Angst haben fremde Wesenszüge anzunehmen
- Durch die Angst würde ich mich tatsächlich im Wesen verändern, dies jedoch dem Fremden Blut zuschreiben.
- Schliesslich würde ich recht sicher verrückt werden.
Weiter möchte ich mir gar nichts vorstellen. Denn wenn ich nun wirklich gar nichts mehr zu verlieren habe und darüber hinaus auch noch verrückt geworden bin..
Man darf also wohl annehmen, das ein ZJ seines Lebens nicht mehr froh würde.
Trotzdem keine potentiellen Selbstmörder
ZJ sind jedoch trotzdem keine potentiellen Selbstmörder. Sie lehnen ja nicht alles ab. Medizinische Versorgung ist absolut ok. Krankenhausaufenthalte auch. Nur Blut wollen sie nicht haben und argumentieren, das es auch Blutersatz gibt. Notfalls in Form von Salzwasserlösung. Nur eben bitte nicht die Seele von jemand anderem.
Und noch ein bischen Info zum Glauben der Zeugen Jehovas
Also vorab erstmal: Mein Wissen über die ZJs ist schon etwas älter und stammt aus einer Zeit, als ich mit einem süßen, sexy Mädel zusammen war, das zufällig ZJ war. Selbstverständlich habe ich mich also auch mit ihrem Glauben auseinander gesetzt – und viel mit ihr und anderen ZJ gesprochen sowie Bücher gelesen.
Mein Fazit, schonmal vorab ist: Ich halte die Religion für ziemlich bekloppt, aber ihre Anhänger für sehr wertvolle Menschen.
Die ZJ glauben, das es irgendwann einmal einen Weltuntergang gibt und nur sie errettet werden. Erschwerend kommt jedoch hinzu, das im danach neu geschaffenen paradiesischen Himmelsreich nur 150.000 Seelen Platz finden. Meine Verwunderung, wenn ich hochrechne, das ja dann womöglich schon die “guten Plätze” durch genug gestorbene ZJs schon alle verteilt sind, wird von ZJs jedoch damit zurück gewiesen, das ich das noch nicht so ganz richtig verstanden hätte. Mag sein. Ist ja auch harter Tobak!
Jedenfalls sollen diese 150.000 Plätze nur an die ZJs mit dem besten.. nennen wir es Leumund.. vergeben werden. Man kann also noch gewinnen! Ob die Übriggebliebenen dann aber einfach nur Untertanen zweiter Klasse werden, oder wie sich die Ratio ToteZJsTotal:150000PlätzeVIP-Lounge verteilt, ist mir nicht so recht klar. ZJ ziehen sich jedenfalls ihr gesamtes Szenario aus der Bibel, die auch dem Christentum an sich zugrunde liegt und genau daraus entstammen die ZJ auch. Sie sehen sich selbst als Bibelforscher und das hat auch einen recht hohen Stellenwert in ihrem religiösem Alltag. Das Dumme daran ist meiner Meinung nach nur: Jeder weiß, was passiert wenn Kinder “Stille Post” spielen. Recht ähnlich sind m.M.n. die Ergebnisse, wenn heutzutage Menschen versuchen die Bibel zu deuten. Egal ob sie es möglichst nah am Original tun, oder in einer der Übersetzungen. Sprache ist lebendig und wandelt sich. Die ursprüngliche Bedeutung ist längst verloren gegangen. Vielleicht nicht im Großen und Ganzen. Aber in den Nuancen. Und die können viel ausmachen.
Fakt ist aber auch : ZJ sind im Alltag, Berufsleben und als Freunde meist wirklich sehr angenehme Mitmenschen! Solange sie nicht klingeln.. ![]()
Bleibt also nur zu hoffen, das der Staatsanwalt mal schön den Ball flachhält, und nicht die Mediziner anklagt nur weil sie sich korrekt verhalten haben.


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Und wenns die ZJ auch in Rumänien gibt ? Was dann ???
Ich persöhnlich glaube das es die dort auch geben wird. Evt. nicht in der hohen Anzahl wie in anderen Ländern, aber auch dort.
Also die Geschäftsidee möchte mann nicht wissen wollen.
Denke mal das kann nix gutes/sinnvolles/geistreiches sein!
mfg
Sky
ob es die ZJ auch in rumaenien gibt – besonders transilvanien – wow … da haette ich eine geschaeftsidee als eingefleischter knoblauchesser …
Da es genügend Alternativen zu Blut gibt(will das Rote Kreuz natürlich nicht wissen)wundert es mich das du diese Sache die ja erstmal “korrekt” für beide Seiten ablief so aufbauscht. Hee 1 Zeuge liegt dir sooo am Herzen? Und 2009 starben 140.000 Leute nur In Deutschland wegen Rauchens ??! grübel– Hast du den Überblick verloren oder ist dies Wichtigmacherei?…
Es wäre sinnvoll sich einmal genau zu informieren, was mit Blut alles in Verbindung steht. Es gibt genügend Alternativen zur Bluttransfusion, die Zeugen Jehovas akzeptieren. Außerdem haben Zeugen Jehovas sogenannte KVK´s (Krankenhaus-Verbindungs-Kommitee). Hier behandeln Ärzte alternativ. Interessanterweise ist sogar in manchen Kliniken entschieden worden, diese Alternativbehandlung auf Patienten anderer Religionen auszuweiten, weil es wesentlich unkomplizierter ist. Blut wird immer als das Allheilmittel (lebensrettend) gepriesen. Aber wie viele Menschen an den Komplikationen aufgrund von Unverträglichkeiten gestorben sind wird so gut wie nie erwähnt. Was ist mit Aids und Hepathitis? Um nur einiges zu nennen. Es gab einen Fall – allerdings im Ausland, da wäre ein kleines Mädchen gestorben, wenn sie Blut bekommen hätte. Die Eltern des Kindes entschieden sich für eine andere Klinik und hier stellte man fest, dass es für das Kind tödlich gewesen wäre. Ist Blut tatsächlich lebensrettend oder eher lebensverlängernd? Blut ist lebensverlängernd! Zeugen Jehovas haben die gut begründete Hoffnung auf eine Auferstehung. Sie sind keine Fanatiker, die als Märtyrer unbedingt sterben wollen.
Hallo Ringelblume,
und Danke für deinen Beitrag.
Genau so hab ich es auch gemeint – Wenn auch allerdings bei mir die Erinnerungen an diese Argumente nicht mehr so frisch ist.
Und wie gesagt: Ich glaube zwar nicht an eine Auferstehung in dieser Form. Unabhängig davon kann ich aber sehr gut verstehen das ein Weiterleben nach einer Transfusion für einen ZJ die Hölle sein müsste und stattdessen der Tod dagegen (fast) ein Geschenk.
In meinem Bekanntenkreis habe ich übrigens auch ein Beispiel für jemanden der durch das Krankenhaus und auch Bluttransfusionen erst richtig krank geworden ist.
Zum Thema “Patintenverfügung”, “Kein fremdes Blut”
Das Dokument muß Notariell beglaubigt werden und auch nur dann die gültigkeit hat.
Bye