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Haiti – Spenden oder nicht?

Peacekeeping - MINUSTAH

Ich blogge bewußt erst sehr spät über das Erbeben von Haiti. Und ich bin immer noch sehr nachdenklich. Am 13.01.10  berichtete die Presse nur lapidar von einem Erdbeben auf Haiti, welches gegen 16:53 Uhr /22:53 Uhr MEZ stattfand. Von Toten war noch keine Rede. Das es aber mindestens hunderte oder gar tausende Tote geben musste, war mir irgendwie von Anfang an klar. Nach und nach wurde erst von einigen wenigen, dann von immer mehr Opfern berichtet. Mittlerweile ist die Anzahl der Todesopfer (mal wieder) eine traurige Versionsnummer geworden, die belegt wie aktuell die News sind. Je mehr Tote, desto neuer! Aktuell sind wir bei ca. 140.000 Toten.

Das Leid
Als ich mir die Fotos anschaute, bekam ich ein Gefühl davon was “Ich spüre eine Erschütterung der Macht, so als ob viele tausend Seelen aufschreien” (frei nach Obiwan / StarWars zitiert, beim Anflug auf Alderaan)  bedeuten kann. Man kann das Leid und die Schmerzen fast selbst fühlen – finde ich. Was mir aber dann vollkommen die Beherrschung raubt und mich tatsächlich vor dem PC weinen läßt(!) sind die Umstände:

Da wird berichtet über:
- Hilflose angereiste “Retter”, welche sich nicht trauen ein Lazarett aufzubauen, da es am nächsten Tag wohl schon geplündert sein könnte.
Ok. Aber hier gehts um Zeit! Was nützt wohl mehr? Ein Lazarett das in einer Woche aufgebaut wird wenn es sicherer ist und von Profis betrieben wird – oder ein paar gestohlene Verbände in der Hand von Laien, die SOFORT handeln?
- drastischen Trinkwasser-Mangel
Das ist doch logisch und sollte dem Katastrophen-Schutz bekannt sein! Außerdem ist wohl Trinkwasser und Nahrung einfacher zu organisieren als schweres Bergungsgerät, oder? Warum also kommt da nix an? Warum hat das nicht höchste Priorität?
- ständige Plünderungen, Ausbruch der Anarchie usw.
Das ist doch kontrovers und wenig hilfreich. Natürlich ist dort nun erstmal Chaos. Natürlich fragt niemand erst höflich “Kann ich mal bitte den Verband dort haben?”, wenn er grade seinen Bruder halbtot entdeckt hat und versorgen will. Aber warum wird so negativ darüber berichtet, während viele Bilder Haitianer zeigen, die sehr diszipliniert vor Hilfsorganisationen Schlange stehen?!!
- Chaotische Politische Verhältnisse
Nun. Wenn die Politiker das Land nur haben ausbluten lassen und auch jetzt nicht helfen. Warum sich dann mit ihnen auseinandersetzen? Vielleicht ist das Beben ja sogar eine traurige Chance für Haiti, eine neue, gerechtere Ordnung für die Menschen dort aufzubauen.
- Ein eingeklemmtes Mädchen, das zwei Tage lang nicht geborgen wird und stirbt, weil doch niemand half.

Peacekeeping - MINUSTAH

Fakt ist jedenfalls, das die Hilfsmaßnahmen mit einem Tag Verspätung angerollt sind. Erst am 14.01.. Aber immerhin. Es wird geholfen. Viele Staaten haben Hilfe in Form von Geld versprochen. Einige Promis haben auch schon größere Beträge gespendet. Einige Organisationen sind vor Ort und helfen – mehr oder weniger (siehe oben “wir trauen uns nicht, das Lazarett aufzubauen”).

Spenden oder nicht?
Obwohl es mir das Herz zerreißt, werde ich nichts spenden. Mal davon abgesehen das ich dank Finanzamt aktuell weniger Geld habe als jeder Hartz4 Empfänger, jeder von uns, selbst ich, könnte 5,- Euro locker machen. Einen Tag weniger rauchen, Wasser statt Limo, selbst mal nen Fastentag einlegen statt Döner usw usw.
Bitte – ich möchte Sie nicht davon abhalten zu spenden. Tun Sie es! Es ist höchstwahrscheinlich besser, als gar nichts zu tun.
Aber folgende Gründe, die gegen Spenden sprechen, haben mich bewogen es nicht zu tun:
(Was nicht heißt, das ich nicht doch noch “umkippe” und spende)
- Ich bin der Meinung, das hier die Regierungen sämtlicher Nationen der Welt Hilfe im Rahmen ihrer Möglichkeiten anbieten sollten. Diese (sollten es) können auch viel besser (zu) beurteilen und koordinieren, wie und wo Hilfe nötig ist.
-  Es gibt so viele Spenden-Aufrufe – Ich weiß gar nicht wo ich spenden soll. Wer holt den meisten Nutzen aus meinem Geld? Wer saniert sich nur selbst damit?
- Ein wenig ärgert mich auch die Presse mit ihren Spenden-Aufruf-Aktionen hierzulande. Ich finde es moralisch verwerflich, mit Kindern zu werben – außer für Babybrei und Windeln natürlich. Auch gebe ich zu, das es natürlich ein nettgemeinter Kunstgriff ist, um mehr Spenden zu bekommen, weil die Emotionalität bei Kindern in Not natürlich größer ist. Fakt ist jedoch, das von dem gespendeten Geld nicht Kindergärten gebaut werden sollen, sondern ALLEN Menschen erstmal geholfen werden soll zu überleben!!!
- Es ist eh schon zu spät. Die bisherige Hilfe hat bereits viel zu lange gedauert. Gelder, die jetzt fliessen, werden zwar den Überlebenden helfen ihre Städte wieder aufzubauen. Es wird aber nur wenig helfen, die Zahl der Überlebenden zu erhöhen!

Spenden – Aber an wen?
Gerne hätte ich hier trotzdem auch Links angeboten, welche den Haitianern helfen können. Aber ich habe keine gefunden! Krassestes Beispiel war die Bild.de, welche mit den Fotos Haitianischer Kinder in Not für ihr Projekt “Ein Herz für Kinder” auf Spendenfang geht – und die sagen “Unser Schwerpunkt liegt auf Deutschland”… Also: Ich weiß gar nicht, wo ich für Haiti spenden soll!
Wer eine gute Idee hat, darf gerne im Kommentar Links zu geeigneten Organisationen einstellen!

Bitte nicht noch mehr Journalisten, bitte schickt Ärtze und Feuerwehr!
So oder ähnlich klingt es aus vielen Artikeln. Und ich muss sagen: Recht haben sie!
Ich selbst, als ambitionierter Foto-Reporter, und auch als Mensch der gerne helfen würde, wäre gerne auch vor Ort. Aber in erster Linie um zu helfen und mit anzupacken! Hier oder da könnte ich nach getaner Arbeit immer noch ein paar Fotos machen. Aber es ist schon traurig zu hören, das die Journalisten die da sind erstens sehr viele zu sein scheinen, und zweitens nur ihren Job tun – ohne ihrer menschlichen Verpflichtung nachzukommen.
Selbstverständlich wäre es auch ökonomisch wenig sinnvoll mich über tausende Kilometer dorthin zu schicken. In der Region und im Umkreis leben ja auch in Nachbarländern viele Menschen. Trotzdem: Würde mich jemand dort haben wollen und die Kosten der Flüge übernehmen. Ich würds tun!

Peacekeeping - MINUSTAH

BILDER: Vielen Dank für die Bilder und Nutzungsrechte via CC-Lizenz an United Nations Develepment Programme.

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