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Robert Enke – Dummer Selbstmord, kein Held!

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Foto von Wokka

Foto von Wokka

Robert Enke ist tot. Auch auf die Gefahr, dafür verbal geschlagen zu werden: “Äh. Ja, na und? Wer ist das?”. Ich hab mit Fussball eben nix am Hut. Der Spruch “Fussball ist doof, da laufen 22 Mann hinter einem Ball her, und wenn sie ihn haben, treten sie ihn weg!” stammt von mir. Dummerweise war ich nur noch viel zu klein, um darauf ein Patent anzumelden als ich ihn erfand.

ACHTUNG! In Respekt vor dem Verlust und der Trauer sind diese Zeilen NICHT FÜR ANGEHÖRIGE von Robert Enke gedacht.
BITTE VERLASSEN SIE DIESE SEITE IN IHREM EIGENEN INTERESSE, WENN SIE ANGEHÖRIGER VON ROBERT ENKE SIND!

Ok. Ein toter Fussballer in Deutschland. Ein netter, sympathischer soll er gewesen sein. Und eine Torhüter Hoffnung. Mag alles stimmen. Meine Meinung weicht aber etwas vom Schmusekurs der Boulevardblätter und der Krokodilstränen ab. Und mit “Über Tote redet man nicht schlecht” hab ich schon gar nix am Hut. Tote sind Menschen wie alle anderen ^^.  Nach allem, was ich bisher gehört habe, ist Robert Enke in meinen Augen aber ein reiches armes Arschloch.

> Glups? Hat der jetzt echt Arschloch gesagt?
Ja. Hab ich. Bevor ihr nun alle auf die Barrikade geht, weil ihr Fussballfans seid, hier meine Begründung:
Wir haben alle unsere Probleme. Der Tod eines Kindes, wie es Enke erfahren musste, ist mit Sicherheit eine der traurigsten und belastendsten Erfahrungen, die man machen kann. Aber es ist normal. Es ist Natur. Bloss weil wir dank Hygiene und Medizin die Kindersterblichkeitsrate extrem gesenkt haben, darf man nicht vergessen das jedes Paar schon mindestens ZWEI, eigentlich DREI Kinder haben muss, damit die Bevölkerungszahl stabil bleibt. Denn es ist nicht selbstverständlich, das jedes geborene Kind die Pubertät erlebt. Noch weniger ist selbstverständlich, das es zeugungsfähig ist bzw. bis zum Kinderwunsch bleibt. Glauben sie nicht? Na, dann unterhalten sie sich doch mal z.B. mit Sandra Bullock. Heutzutage geht die Karriere vor dem Kinderwunsch! Doch ich schweife ab.
Reiches armes Arschloch. Reich, weil er bestimmt keine finanziellen Sorgen hatte. Und wenn doch: Keine Unlösbaren. Arm, weil es natürlich immer schade und “arm” ist, wenn jemand nur noch diesen Ausweg sieht.

Sicherlich ist es auch bedauerlich, das er den Freitod gesucht hat. Das ist gar keine Frage. Nur DAS und WIE er es gemacht hat, finde ich moralisch grottig. Trotzdem soll natürlich jeder um ihn trauern dürfen. Und natürlich ist es wirklich (ehrlich) höchst bedauerlich, das ein Mensch überhaupt in die Situation kommt sein Leben beenden zu wollen. Und selbstverständlich sollte versucht werden, solche Ursachen zu ergründen um potentiell Betroffenen zukünftig besser helfen zu können.
Aber ich finde halt, das es da noch eine andere Seite der Medaille gibt..

Es ist legitim, wenn jemand darüber nachdenkt, sein Leben zu beenden. Es ist auch oft legitim, wenn er es tut. Erfreulich könnte es sein, wenn ein Zuhälter, Menschenhändler, Kinderschänder, Vergewaltiger oder hochgradig Krimineller auf diese Idee kommt.  Politiker erwähne ich an dieser Stelle absichtlich nicht separat, einige von denen sind sicherlich in der Aufzählung eh schon enthalten. Wer jedoch allein in der Welt dasteht, sei es als sehr alter Mensch dessen Freunde und Umfeld bereits lange verstorben ist. Oder Menschen denen durch Umweltkatastrophen, Finanzamt oder Kriminelle die Lust am Leben, vor allem aber die Perspektive genommen wurde – das sind Beispiele für Menschen deren Freitod ich mglw. billigen kann.

Wenn aber jemand der mit beiden Beinen fest im Leben steht (oder halbfest wenigstens), der eine Frau, Kinder und Angehörige hat und keine finanzielle Not.. sich entscheidet diese Angehörigen alle im Stich zu lassen, und obendrein in tiefe Trauer zu stürzen.. Das, ja das ist ja wohl ein hochkarätiges Arschloch. Sich in vollem Selbstmitleid umbringen, es endlich hinter sich haben und dann noch dafür sorgen, das man heftigst betrauert und womöglich heroisiert* wird. *Schon jetzt gibt es ja Verstrahlte, die vorschlagen das zum Gedenken an Enke niemand jemals wieder ein Trikot mit der “1″ tragen solle.

Dazu passt auch die Art des Freitodes. Was ich damit nun wieder meine? Das ist nicht so einfach zu erklären. Da muss ich etwas ausholen. Mögliche Varianten des Selbstmordes:
Ertrinken:  Ziemlich sichere Sache. In jeder Hinsicht. Denn man kann dabei wirklich vortrefflich sterben, aber hat auch meist noch genug Zeit für einen Rückzieher. Wer in einen See oder ins Meer schwimmt, will meist aber gar nicht wirklich sterben, sondern sucht und erhält eine Art Schicksalsentscheidung. Während er sich nah an der Grenze des Todes glaubt, werden ihm Dinge einfallen die er doch noch erledigen möchte. Und wenn seine Kräfte + Adrenalinkick und neuem Überlebenswillen ausreichen, schafft er es auch wieder zum Ufer zurück. Wenn nicht, ist sein Anblick für die Hinterbliebenen noch halbwegs erträglich. Wenn er nicht allzuspät angeschwemmt wird.
Tablettenüberdosis: Eher eine Bangzippel und Feigling Methode. Aber human.  Man hat noch was Zeit zum Überlegen, kann ggf. sogar den Rückzieher per 112-Anruf machen. Der Anblick für die Hinterbliebenen ist höchstmöglich human. Alles noch dran, und ggf. mit nem Lächeln eingeschlafen.
Sich vergiften: Ist schon eine Spur krasser als die Tablettennummer. Erstens ist der Versuch ernsthafter, zweitens womöglich schmerzhafter, dafür aber schneller, und drittens .. wo zum Teufel kriegt man Gift her! Für die Hinterbliebenen nicht so der Brüller, denn Vergiftungen sind wohl doch eher ne Quälerei – und nicht jeder behält Verstorbene gern mit per Muskelkraft ausgerengtem Kiefer und verdrehten Augen in Erinnerung… Doof auch: Wenn man schlagartig seine Meinung ändert, kann man nicht mehr abbrechen.
Pulsadern aufschneiden: Das ist was für ganz Doofe. Die, die es richtig machen, und nicht nur Aufmerksamkeit erregen wollen, haben so gut wie keine Überlebenschance.  Ein Rückzieher ist ohne fremde Hilfe auch unmöglich. Und wenn man schon aus der Welt gehen will, dann ist es sicherlich alles andere als endgeil, sich selbst beim Verbluten zu zuschauen. Genug Zeit zu bemerken wie beschissen die Idee war, hat man dann allerdings noch. Bis 2-3 von den 5 Litern raus sind, dauerts ein Weilchen. Der Anblick für die Hinterbliebenen ist auch ne Arschlochnummer, weil irgendne arme Sau muss die Schweinerei auch wieder saubermachen. Gar nicht witzig.
Vom Hochhaus springen: Auch ne blöde Idee. Dumm vor allem, weil die Zeit bis man unten ist sich wie Kaugummi dehnt und man irgendwie so wenig Möglichkeiten hat sich 5m vorm Aufprall noch zu retten, wenn die Meinung umschlägt.  Die Sauerei die er den Hinterbliebenen da läßt ist auch ne Frechheit. Dazu kommt durch die öffentliche Aktion noch die Gefahr das es andere Menschen miterleben. Besonders verwerflich, wenn Kinder sowas dann sehen müssen.
Von der Brücke springen: Hier hats etwas höhere Möglichkeiten sich doch noch erfolgreich umzuentscheiden. Jedenfalls wenn Wasser drunter ist. Grundsätzlich gilt das gleiche wie bei Ertrinken.
Vor den Zug springen: Nun endlich. Wir kommen zu Enke´s Variante. Ihr habt nun schon etwas Hintergrundwissen und wisst: Wer vor den Zug springen will, hat viel Zeit sich seinen Schritt zu überlegen. Aber hier gibts zwei Untervarianten.
a)
Auf den Gleisen stehend/liegend auf den Zug warten, oder
b) Neben den Gleisen warten und sich aktiv davorschmeissen.
Variante b ist sicherlich die tödlichere. Denn bei a wird man es sich tendenziell öfter anders überlegen. Aber obwohl es einen so mutigen Anschein hat, ist es eine der feigsten Nummern überhaupt.
Variante a ist grundsätzlich noch am ehesten mit den oben erwähnten zu vergleichen: Der Entschluss wird gefasst, und es gibt ab dem Moment wo man den Zug hört, bis zum Moment wo man sich noch retten könnte eine Spannungskurve die die Zeit hat, sich zu entfalten. In dieser Zeit kann dem Lebensmüden noch so einiges durch den Kopf gehen. Vor allem Dinge die ihm erst unter dem jetzt stattfindenen seelischen und psychischen Druck einfallen und zur Umkehr bewegen können.
Ganz anders in Variante b. Hier steht der Lebensmüde neben den Gleisen. Und wartet auf den Zug. Vielleicht läßt er 2 oder 3 erstmal vorbeifahren. Aber während er sich einredet, bei Zug eins und zwei nicht den richtigen Augenblick/Absprungzeitpunkt hätte treffen können, so schaukelt er sich fast in Extase und bekräftigt sich selbst immer mehr, das dies das Letzte ist was er tun kann um sich selbst zu beweisen. Er ist ja nicht zum Spass hier. Oder? Er wollte sich doch umbringen? Also. Sei kein Feigling. Beim nächsten Zug springst du, sagt ihm die innere Stimme.
Und er weiß: Er hatte genug Chancen zum Abbruch. Aber vor allem, wird es ein schneller Tod sein. Sobald er losspringt, ist es auch sofort “vorbei”. Schmerzlos, das es so schnell geht. Ohne Reue, da zwischen der Entscheidung und dem Todeszeitpunkt gar keine Zeit mehr für Reue bleibt. So gesehen, für den selbstmüden Egoisten eine ganz tolle Todesart. Aber für den Lokführer, die Frau, die Kinder, die Hinterbliebenen … eine Horrorshow.
Von wem sollen sie sich verabschieden? Es wird keine Aufbahrung geben. Die Leiche ist ein Puzzle. Da können schonmal Arme oder Beine fehlen. Und das was da ist, ist eh zerquetscht. Und öffentlich war der Tod auch noch. Autos werden die Stelle passieren. Überall wird Blaulicht sein. Eltern die ihre Kinder zur Schule fahren, werden Fragen beantworten müssen die nichts für Kinderohren sind…

Wer so stirbt, und das so geplant hat.. das ist ein Arschloch.
Und ich denke, ich weiß ein wenig wovon ich rede. Wie bestimmt jeder von uns, hab ich mir auch schonmal gewünscht die ganze Scheisse hinter mir zu haben, wenn ich das Gefühl hatte das mir der Himmel auf den Kopf fällt. Nur hab ich auch an meine Mitmenschen und mein Umfeld gedacht. Und wegen den Gedanken an meine Mitmenschen hab ich nun einen Organspendeausweis in der Tasche, und wegen meinen Gedanken an mein persönliches Umfeld weiß ich auch, das Freitod für mich gar nicht in Frage kommt.

Ein Mensch ist tot. Aber er starb nicht weil sein Körper aufgab. Er wollte sterben. Kein Grund also so einen Medienhype darum zu machen*. Hey! Jeden Tag sterben tausende Kinder durch Verhungern! Unfreiwillig! Qualvoller! Langsamer.. leichter zu retten. Aber das interessiert niemanden. Ok. Der Tod von z.B. Farah Fawcett oder Michael Jackson haben mich auch mehr berührt und interessiert als irgendwelche gesichtslosen Kinder die ich nicht kenne. Aber es gibt sie. Und ich weiß, das die noch ärmer dran sind.

*(Ich weiß. Ich hype so gesehen mit. Aber ich hab die Welle nicht angeschoben.)

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6 comments to Robert Enke – Dummer Selbstmord, kein Held!

  • Flo

    Ich denke die Motivation zu diesem Schritt muss man differenzierter sehen, hier fehlen dem Autor entweder Sachverstand oder Selbsterfahrung bzgl. Depression, was nicht immer vorauszusetzen ist. Den Wunsch durch Provokation Aufmerksamkeit zu erlangen (hat ja in begrenztem Maße funktioniert) rechtfertigt trotzdem nicht das Urteil “Arschloch”. Depression ist eine Volkskrankheit, 4 Mio. Betroffene und Dank solcher Äußerungen sind sie so problematisch wie sie es sind.

    Was die Art der Selbsttötung anbetrifft finde ich die Bezeichnung durchaus zutreffender, Motivation: fehlende Courage und Erfolgswahrscheinlichkeit.

  • Sky

    Also Ich finde diese ganze Sache mehr als tragisch. Zum ersten weil ich denke, das mann es mit Depressionen nicht leicht hat, und die Familie auch nicht. Er kam eigendlich immer recht sympatisch rüber. Anderst empfindet mann es wenn er ein riesen Arschloch wäre, dann würde es einem kaum jucken.

    Zum anderen ist es doch von ihm scheisse, das er grade diese art gewählt hat. Sagen wir mal so, er könnte 2 neue Personen in die Deprissionen getrieben haben. Nämlich die beiden Löckführer, und das ist auch nicht so klasse von Ihm.
    Also mann kann geteilter meinung sein dazu.

    Bye

  • Whoever

    Also ich hab Robert Enke jetzt auch nicht als den so herausragenden Fussballer kennengelernt. Vielleicht interessiere ich mich da auch nicht genug für Fussball.
    Ich finde es auf jeden Fall auch krass, WIE er sich das Leben genommen hat. Von mir aus kann sich ja jeder umbringen, wie er will, solange er anderen damit keinen Schaden zufügt. Und den hat Robert dem Lokführer auf jeden Fall angetan. Und dafür habe ich KEIN VERSTÄNDNIS.

  • stefan

    Wieso Selbstmord? Guckt euch die ganzen Freunde mal an die jetzt im TV zu Wort kommen. Trauer sieht anders aus die grinsen zwischendurch dauernd weil sie sich freuen im TV zu sein und fürs Interview was Zaster kriegen!!!! Da würds mich nicht wundern wenns kein selbstmord war

  • Rüdiger

    nicht sehr diplomatisch! aber sich ohne rücksicht auf andere umzubringen.. geht gar nich

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