Aktuell sind viele Kündigungen durch die Presse gegangen, in denen es um kleinste mutmaßliche Vergehen geht. Ich finde die Grundhaltung der Presse etwas krank. Bild z.b. erklärt, wie schnell man seinen Job verlieren kann und tut dabei so, als wenn die Mitarbeiter wirklich böse, egoistische Chef-Ausnutzer und Betrüger wären. Da geht es um Frikadellenbrötchen, mitgenommene Büroklammern oder “geklauten Strom” wenn ein privates Handy aufgeladen wurde.
Mir fehlt da bei der Betrachtung dieser Fälle der gesunde Menschenverstand!
Ich finde, es darf nicht nur einseitig auf die Belange des Chefs/Arbeitgebers geschaut werden. Man muss ein Ding immer von BEIDEN Seiten betrachten. Und plötzlich sieht alles ganz anders aus!
Beispiel: Der Chef bemängelt, das jemand sein privat-Handy eben mal im Büro an die Steckdose hängt und somit “Strom klaut”. Ein tolles Beispiel für mich! Denn der “geklaute” Strom kostet nichtmal 1 cent!
Bei 12,- Euro Stundenlohn wäre das also mit 5sec Mehrarbeit “bezahlt”.
Ein kleiner Durchfall mit 10min Toiletten-Pause wäre da also 100x schlimmer/kostenintensiver. Aber die Arbeitgeber argumentieren: “Nein, es geht ja ums Prinzip und um das Vertrauensverhältnis!”. Nun. Wenn ich z.B. einen Bürojob von 08:00-17:00 Uhr habe und doch immer von 07:50 bis 17:15 Uhr arbeiten muss.. Wer missbraucht das Vertrauen da zuerst? Die 10min vor Acht bin ich ja wegen eigener Sicherheit da. Aber den Griffel um Punkt 17:00 Uhr fallenlassen ist meist nicht möglich. Also wer betrügt da wen zuerst?
Und genau das Gleiche gilt ebenfalls für “geklaute” Büroklammern und Buletten! Jeder Vorgesetzte hat auch eine Fürsorgepflicht für seine Mitarbeiter. Grundsätzlich kenne ich keine Arbeitgeber, die sich über Büroklammern, Privatfotokopien oder Frikadellen überhaupt Gedanken machen. Denn das lohnt sich nicht wirklich. Schließlich geben die Mitarbeiter ihre unbezahlten “Überminuten” (die sich ja auch tierisch ansammeln können!) im Prinzip ja auch “gerne”. Man fühlt sich doch dem Unternehmen auch irgendwie verbunden. Der Ausgleich ist dann halt, das man mal nen Post-It Resteblock mitnehmen darf, oder sich ne Büroklammer ins Portmainee steckt, damit man den PDA oder das Navi resetten kann.
Kurz: Jeder gibt, beide gewinnen.
Die ganzen aktuellen, populären Kündigungen haben alle EINES gemeinsam:
Die Chefs wollen diese Mitarbeiter einfach loswerden, weil man aktuell so viele Arbeitslose so billig “einkaufen” kann und viel Geld sparen kann. Dafür werden die billigsten und dümmsten Gründe herangezogen und groß aufgebauscht.
Ich wünsche mir mutige Gekündigte, die zum Arbeitsgericht gehen und die Chefs dort ordentlich vorführen. Das geht aber nur, wenn Justizia mal beide Augen aufmacht, nicht stur nach nichtigen Paragraphen urteilt, sondern salomonischen Weitblick beweist. Dann würde schnell klar, wer wen ausgebeutet hat.



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