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Zivilcourage für die Katz?

Es gibt Nachrichten, darüber kann man wirklich zornig werden. Der Tod vom zivilcouragiertem Dominik Brunner war so ein Fall. Der von Kerstin Hermkind ist es ebenfalls. Sie berichtet im Stern davon wie sie selbst Hilfe leistete, dabei allein gelassen wurde, und die Täter teilweise straffrei ausgingen.

Von so etwas zu lesen, ist für potentielle Helfer demotivierend. Warum soll man sich selbst in Gefahr bringen, wenn doch dann die Polizei nur Personalien aufnehmen kann und Staatsanwälte keine Lust haben, tätig zu werden?

Mir selbst fallen dazu folgende Dinge ein, die ich selbst erlebt habe. Und die mich erstaunt haben.

Fall 1)
Eine Gruppe Jugendlicher von 13-15 fährt auf dem Fußweg mit Fahrrädern an mir vorbei. Üblicherweise hätte ich geschimpft. Hier dachte ich mir noch: “Na, willst die Kinder wirklich auf die Straße schicken? Nö..”. Und plötzlich hörte ich ein “Schnnoooooorrgggg-rotz!”. Ich bückte mich, und der “Aus Spass” abgeschickte “Yellow” (das Ausgespuckte)  verfehlte mich nur knapp. Die Kiddies waren schnell weg. Mit dem Auto stellte ich sie 300m später und hielt sie fest, bis die Polizei kam.
Die erzählte mir dann: “Ja, wenn er sie nicht getroffen hat, ist es keine Körperverletzung, wir können nichts tun.”. Nichtmal Personalien wollte er aufnehmen. Aber mir verbieten meine Fotos zu behalten die ich von den Rotzgören gemacht hab. Später sagte er mir: “Ach, wissen Sie, die waren doch noch harmlos. Wenn Sie wüßten, was wir so erleben.” … Tjo. Ist die Polizei wirklich so doof? Was wird denn wohl das nächste sein, was diese Kiddies ausprobieren, wenn sie lernen das sich die Polizei nicht für ihr Fehlverhalten interessiert?
Was habe ich daraus gelernt? Selbstjustiz ist verboten. Aber zuviel Beherrschung auch fehl am Platz. Würde mir sowas nochmal passieren, gäbs einfach direkt ne Ohrfeige!
Klaro. Kein drastischer Fall. Aber irgendwie…..

Fall 2)
Zufällig wieder ein Radfahrer auf dem engen Fußweg unterwegs. Erwachsener. Durchtrainiert. Rennrad, Helm, Radlerhosen und Shirt. Der Fußweg ca. 2m breit, daneben eine 2spurige Strasse die er locker hätte benutzen können. Aber die Angst vor den manchmal 50-70km/h fahrenden Autos war bei dem ca. 28jährigen wohl  zu hoch.
Ich trat aus der Haustür und wurde von dem Idioten angefahren. Denn er fuhr nicht am Randstein, sondern auch noch an der Mauer entlang.
Wiederum rief ich die Polizei, denn ich finde nicht, das man sich auf dem Fussweg von erwachsenen Radfahrern anfahren und noch beschimpfen lassen muss. Die Beamten trafen ein. Spätestens als sie den Radler mit “Ach, Hallo Kollege!” freudig begrüßten staunte ich nicht schlecht. Sollten Polizisten nicht Vorbilder sein?
Dieser war es nicht und seine Freunde weigerten sich auch eine Anzeige aufzunehmen. O-Ton: “Hey! WER eine Anzeige kriegt und wer nicht, entscheide immer noch ICH!”. Jo. Mag in seiner Weltanschauung so sein. Wem ich eine Dienstaufsichtsbeschwerde verpasse und wem nicht, war dann auch MEINE Entscheidung :-)
Natürlich. Auch kein schlimmer Fall.

Fall 3)
Ein schöner Abend in der Altstadt. Ich war mit ein paar Freunden in einer kleinen Kneipe ohne Klimaanlage, dafür mit hoher Luftfeuchtigkeit. Gelegentlich bin ich vor die Tür um mich etwas abzukühlen. Eine kleine Tasche, ohne wertvollen Inhalt, aber immerhin MEINE Tasche, ließ ich in der Sitzecke mit meinen Freunden zurück. Klauen würde sie wohl niemand können. Aber daran denken sie mitzunehmen, falls ich verschwände, würde wohl auch niemand.
Gegen 23 Uhr wechselten sich plötzlich die Türsteher ab. Als ich wieder reinwollte, wurde mir der Weg versperrt. Komisch. Ich sah gepflegt aus, war Stammgast und hatte nur Cola getrunken. Es gab auch keine Schlange. Es war ruhig. Also versuchte ich dem polnisch-russischen Türsteher zu erklären, das  ich drin war, und Freunde und Tasche von mir noch immer drin sind. Bevor ich  überhaupt zwei Sätze gesagt hatte, probierte der Türsteher mich per Kopfnüssen loszuwerden. Es standen  einige Leute drumherum, die hätten helfen können. Z.B. alleine schon weil sie meine Story bestätigen konnten. Da von dieser Seite keine Hilfe kam, und die Beule am Kopf mich daran erinnerte das ich diesem Türsteher zu keinerlei Gnade verpflichtet war, rief ich die Polizei. Diese kam recht fix, stellte fest, das er illegal und ohne Papiere arbeitete. Trotzdem liessen sie ihn weiterarbeiten, obwohl er sich nichtmal korrekt ausweisen konnte. Ob ich Anspruch auf Schmerzensgeld hätte, wurde mit einem Lächeln quittiert. Dieser Fall könnte höchstens erstmal vor einen Schiedsmann gebracht werden!(?)!!!
Immerhin erhielt ich wieder Zutritt und habe auch meine Tasche zurück erhalten. Und die Location haben wir dann halt gewechselt.

Sicherlich sind diese Fälle recht harmlos. Aber sie zeigen, wie unglaublich hilfreich sich selbst die Polizei verhält. Ich habe sie leider oft als faules Pack erlebt. Und selbst wenn sie mal “irgendwie” tätig werden, ist es unglaublich wie gut Täter in BRD geschützt sind.

Schade.

Vom Bauch- und Kopfgefühl her möchte ich eigentlich zukünftig ebenfalls keine Zivilcourage mehr leisten. Leider kann ich es aber nicht ausschalten. Zwar krieg ich kaum Hilfe, aber irgendwie helf ich selbst doch immer wieder..
Und man sollte nicht glauben, wie häufig nachts in S-Bahnen irgendwelche Möchtegern-Gangster unterwegs sind. Die Opfer sind hilflos. Denn nachts hat man schnell mal einen ganzen Wagon für sich alleine. Wer soll also helfen, wenn da Spacken einsteigen und Terror machen??? ….

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