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Kino - Kino

Blue-Ray Discs legal kopieren

madonna-drownedworldtour-mask

Madonna DVD mit Authoring Rights Schikanierung (siehe Text "Eigentore")

Pioneer zeigt in Atlanta, USA, auf der CEDIA Messe grade einen BD Player der in der Lage ist, eine Blue-Ray Disc zu kopieren. Legal zu kopieren vor allem.

Ist etwa Vernunft eingekehrt?
Das Recht auf eine Privatkopie wurde in den vergangenen Jahren von der Industrie-Lobby vehemment kastriert und bekämpft. Im Zeitalter der Schallplatte war es noch erlaubt, und wurde großzügig sogar erlaubt, das man auch Freunden eine Kopie auf Tape (Kassette) machen durfte. Dafür war auf jeder(!) Leerkassette eine GEMA-Gebühr, die man schon beim Kauf der leeren(!) Kassette bezahlte. Auch dann, wenn man sie für eigene Musik genutzt hat oder eine Mutti ihren Kindern die Einschlafgeschichten auf Kassette aufnahm. Es hat die Industrie damals also auch nicht gestört etwas mehr einzunehmen, wenn die GEMA-Gebühr zu Unrecht bezahlt wurde.
Mit dem Erscheinen der CD und der DAT-Recorder wurden erstmal Kopierverbote per Hardware ausprobiert. Denn DAT-Recorder konnten eine CD 1:1 digital kopieren, mit vollen 44,1kHz bei 16Bit. Die DAT-Recorder von Sony erhielten daher das COPY-BIT.  Wenn ein CD-Player per Lichtwellenleiter oder Coax-Kabel digital mit dem DAT verbunden war, erhielt die Aufnahme auf dem Tape ein COPY-BIT. Dieses Tape war damit nicht mehr digital auf einen anderen Sony DAT zu kopieren. Analog, über Cinch-Kabel ging es noch, aber halt mit (sehr geringen Verlusten) digitalen Kabeln nicht.
Mit der Verbreitung von CD-Brennern die CDs dann ebenfalls hochwertig kopieren konnten, begannen die Firmen die Kopierrechte auszuhöhlen. Mit DVD und DVD-Brennern ging es in die nächste Runde. Nun wurde sogar Kopiersoftware, die man schon gekauft hatte, nachträglich illegal! Es wurden sogar Zeitungen verklagt welche die Namen der noch funktionierenden Kopierprogramme veröffentlichten. Und erst recht waren Webseiten in Gefahr die gar auf die Webseiten der Softarehersteller verlinkten! Es hagelte Klagen und kostenpflichtige Abmahnungen.
Das alles nur, weil ja angeblich die Umsätze der Film-& Musikindustrie aufgrund der Privatkopien einbrachen. Das die Umsätze eventl. wegen mangelnder Qualtität der Neuproduktionen eingebrochen sein konnten, kam irgendwie niemanden in den Sinn. Aber seien wir doch mal ehrlich. Genau in dieser Zeit kam doch auch der Riesen-Knick! Jeder erinnert sich noch an den Pop der 80er und frühen 90er. Aber wer spricht noch von ACID und Housemusic?

Eigentore
Nun. Mein Kaufverhalten hat sich jedenfalls aus anderen Gründen geändert. Meine letzte Musik-CD/DVD die ich gekauft habe, war die DVD “Madonna – Drowned World Tour” (siehe Bild). Warum? Nun, ich legte diese in meinen Auto in den DVD-Player und wollte eigentlich nur Track 5 oder Track 13 schnell hören. Ist doch eigentlich mein gutes Recht, oder? Von meinem CD-Player war ich das auch so gewohnt. Disc rein, klick-klick-klick auf den Tipptasten, bis der gewünschte Track da ist und fertig. Geniessen. Hören. Alles gut. Alles grün. Schön.
Ha! Aber nicht mehr mit DVD! Da gibt es die sogenannten “Authoring Rights”. Auf einer DVD darf/kann der Hersteller bestimmten Tracks ein Statusbit verpassen, so daß der Player Tastenbefehle des Benutzers nicht mehr akzeptiert!
Also.. ich legte die DVD ein, und “durfte” erstmal 57sec lang einen Trailer-Track sehen+hören, bis ich endlich mein Wunschlied hören konnte. Und diesen dämlichen Track darf man sich dank Authoring Rights JEDESMAL gezwungenermaßen ansehen, wenn man die DVD einlegt. Nervig. Im Auto möglicherweise sogar tödlich. Aber Sony darf das. Macht nix. Ich darf mich dafür im Gegenzug entschliessen, nix mehr von Sony zu kaufen. Oder überhaupt mein Konsumverhalten zu überdenken.
Sollten Sie vielleicht auch tun. Bestimmt werden Sie sich doch auch mal bei dieser oder jener DVD gewundert haben, das sie nicht vorspulen, weiterklicken, oder abbrechen konnten?!

Rechtliche Verarschung – Das Märchen von den erworbenen Rechten
“Mit der CD/DVD erwerben Sie nicht die Musik/den Film, geschweige denn die Rechte daran. Sie erwerben lediglich das Recht die auf dem Medium gespeicherten Audio&Videodaten zeitlich unbegrenzt in privatem, nichtöffentlichem Rahmen abzuspielen.”. Dies oder ähnliches steht im Kleingedruckten auf jeder Silberscheiber bzw. der Verpackung. Es bedeutet, das die CD/DVD nur ein Medium ist, und Sie RECHTE gekauft haben. Die physikalische, anfassbare CD/DVD ist nur eine Dreingabe sozusagen.
Da auf ihr aber die Musik/Filme gespeichert sind und eine CD/DVD empfindlich ist, könnte man auf die Idee kommen, eine Kopie auf eigene Kosten erstellen zu wollen. Z.B. könnte man dann die OriginalCD unter Verschluss halten und seinen Kindern die Kopie mitgeben. Wenn da dann Kratzer draufkommen, ists ja egal. Darf man aber nicht mehr. Istja verboten. Nungut. Was machen wir also, wenn die Original-CD kaputtgeht? Sie ist ja nur die Dreingabe. Meine gekauften Rechte, das ich Song x oder Film y noch sehen darf, obwohl der Datenträger nicht mehr funktioniert.
Nun. Ich habe mal die Probe aufs Exempel gemacht: Ich schickte einen zerkratzten Original DVD Datenträger in Originalhülle mit Kopie der Kaufquittung nach Sony Deutschland. Natürlich mit der Bitte, mir die unspielbar gewordene Kopie, deren Rechte ich ja gekauft habe, bitte zu ersetzen. Notfalls gegen geringe, dem Aufwand entsprechender Bearbeitungsgebühr. Angemessen fände ich 2,- Euro fürs Rückporto, 1,- für den Aufwand, 2,- Euro für den Datenträger.
Sony Deutschland jedoch antwortete mir, das sie da leider nichts für mich tun könnten (wollten). Aber der entsprechende Titel würde ja mittlerweile statt 20,- nur noch 10,- kosten und ich sollte doch einen Neukauf erwägen. Warum mir dann kein Neukauf abzüglich meiner bereits gezahlten Tantiemen-Gebühr (also Rechte) für 3-5,- Euro angeboten wurde, verstehe ich nicht.

Und die Preis-Lüge
Aber die Preis-Lüge entpuppte sich mir auch spontan nochmal im REAL Kaufhaus. Dort stand rechtzeitig zum Verkaufsstart der “Batman – The Dark Knight” die DVD und die Blue-Ray Disc schön nebeneinander im Regal. Die DVD für 8,95 Euro, die Blue-Ray Disc für 27,95 Euro. Wie konnte das sein? Eine CD kostet in der Massenproduktion ca. 1-2,- Euro. Eine Blue-Ray liegt bei ca. 3-4,- Euro. Jedenfalls “damals” war es noch so. Also rechne ich: Rechtekauf + Medium + Verkäuferkosten = 8,95 für die DVD. Dann mal 3,- Euro mehr für die Blue-Ray Disc.. dann bin ich bei 11,95 Euro.
Warum also 27,95 für die Blue-Ray Disc?
Achso. Natürlich. Weil die Qualtität ja viel höher ist. Ja, na und? Der Film ist doch für die BD nicht nochmal gedreht worden! Eher im Gegenteil. Die Original-Dateien mussten für die BD doch wesentlich weniger resampled werden als für die DVD!
Was bleibt übrig? Genau. Marketing, Ungerechtigkeit und Geld abgrasen, wo es nur irgendwo geht. Wer 200-300,- für einen BD-Player ausgibt, wird auch 10-20,- Euro mehr pro Film bezahlen um ihn endlich nutzen zu können.

Läuterung? Oder Chance verpasst?
Ist also nun zumindest bei Pioneer endlich Einsicht engekehrt? Nein. Der vorgestellte Player erlaubt nur eine sogenannte “Managed Copy”. Das bedeutet: Der Player fragt über das Internet nach, ob der eingelegte Film kopiert werden darf. Dies kann also von Film zu Film, und ja sogar von Zeit zu Zeit unterschiedlich beantwortet / erlaubt werden!!! Wenn die Prüfung die Erlaubnis erhält, wird die Disc auf die interne Platte des Players kopiert, die bisher 1TB Speicher hat. Also genug für 12-20 Filme. Nicht gerade viel. Ich fände den Komfort schon schön, wenn ich nicht für jeden Film extra zum Regal laufen müßte, sondern ihn auf einer Blackbox unterm TV direkt verfügbar hätte. Aber selbst wenn dies der Fall ist.. ich wurde dann nochmals zur Kasse gebeten! Denn die Kopie auf die Festplatte ist nicht umsonst!!!
Mit dieser unverfrorenen Frevelhaftigkeit ist wohl mein naiver Glauben an eine Läuterung gestorben. Die Manager haben nichts gelernt. Chance verpasst!
Es kann ja wohl nicht sein, das ich erst einen Film kaufe, und dann noch erpresserische Nachgebühren zahlen muss, damit ich diesen dann zu meiner privaten Verwendung und Bequemlichkeit noch auf einem extra ebenfalls gekauften überteuerten TAP-Player (so nennt Pioneer das Ding wohl) überspielen zu können.

Schade, Schade…

Quelle und weitere Infos: heise.de

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